eichenprozessionsspinner bekämpfen

Eichenprozessionsspinner bekämpfen - Informationen und Gegenmaßnahmen

Was ist der Thaumetopoea processionea?

Bei dem in Deutschland beheimateten Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) handelt es sich um eine Schmetterlingsart aus der Familie der Zahnspinner.

Der Nachtfalter hat sich in den letzten Jahren in fast allen Bundesländern massenhaft vermehrt und macht auch vor Großstädten wie Hannover oder Magdeburg nicht halt. Besonders betroffen sind der Südwesten und der Nordosten der Bundesrepublik sowie Teile Nordrhein-Westfalens. Diese Massenvermehrung entspricht der natürlichen Populationsdynamik. Derzeit mehren sich in einigen Regionen sogar die Anzeichen für einen Rückgang der Populationen.
Dennoch ist aus gesundheitlich-hygienischen Gründen eine Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner in der Nähe von Ortschaften und Erholungseinrichtungen oftmals erforderlich.

Woran ist der Eichenprozessionsspinner zu erkennen?

Männliche Falter erkennen Sie an ihren leicht glänzenden, asch- bis braungrauen Vorderflügeln mit einer Spannweite von 25 bis 32 Millimetern. Auf diesen verlaufen zwei dunkle, außen weißlich gerandete Querbinden. Die Flügelbasis ist hell. Die dunkel gefransten Hinterflügel sind gelblich weiß gefärbt und gräulich bestäubt. In der Postdiskalregion tragen sie eine diffuse braungraue Bogenlinie.

Die Vorderflügel der Weibchen sind kleiner und dunkler. Die Hinterflügel sind jedoch ebenso dunkel gefranst und gräulich gefärbt wie die der Männchen.

eichenprozessionsspinner kahl gefressene eiche im Sommer

Wo kommen Eichenprozessionsspinner hauptsächlich vor?

Der Eichenprozessionsspinner ist vor allem in trockenen und warmen Regionen Zentral- und Westeuropas verbreitet. In den höheren Lagen der Mittelgebirge werden Sie ihn dagegen nicht entdecken. Neben Deutschland besiedelt der Schmetterling Belgien, die Niederlande, Frankreich, Österreich, die Balkanstaaten, die Schweiz, Polen und die Britischen Inseln. Einzelne oder in lockeren Gruppen stehende Eichen in Wohngebieten, Parkanlagen, Alleen oder an Waldrändern sind besonders betroffen.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist jedoch auch vermehrt ein mehrjähriges, flächendeckendes Auftreten des Spinners in Eichenwäldern und in Kiefernbeständen mit hohem Eichen-Anteil festzustellen. In starken Befallsjahren beschränkt er sich außerdem nicht nur auf Eichen, sondern lässt sich auch auf anderen Baumarten wie der Hainbuche nieder.

Wie ist die Lebensweise des Eichenprozessionsspinners?

Der unscheinbare nachtaktive Schmetterling ist von Ende Juli bis Anfang September spätnachmittags und abends in den obersten Kronenbereichen von Eichen anzutreffen. Die Weibchen legen dort innerhalb weniger Tage ihre aus bis zu 300 Eiern bestehenden Gelege an ein- bis dreijährigen Zweigen ab. Bereits im Spätherbst sind die Junglarven voll entwickelt.
Sie überwintern im Ei und schlüpfen im kommenden Jahr von Mitte April bis Anfang Mai. Die gesellig lebenden Raupen versammeln sich während des Tages in locker versponnenen Zweigen und Blättern der Eichen.
Ab Mitte Juni bilden sie die typischen, bis zu einem Meter langen Gespinstnester, die am Baumstamm, an kräftigen Ästen und in Astgabeln angelegt werden. Dort verpuppen sie sich zwischen Ende Juni und Anfang Juli für drei bis fünf Wochen.

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Warum sind die Raupen vom Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners stellen sowohl aus forstwirtschaftlicher Sicht als auch im Hinblick auf die Gesundheit des Menschen eine Gefährdung dar.

In Eichen- und Mischwäldern fressen sie als Teil der sogenannten Frühjahrsfraßgesellschaft einzelne Eichen bis hin zu kompletten Eichenbeständen kahl. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sie sehr feine Brennhaare, auch Spiegelhaare genannt, aus. Diese brechen schnell und können durch günstige Luftströmungen kilometerweit fliegen.

Die nach der Häutung in den Nestern verbleibenden Larvenhäute besitzen ebenfalls sehr viele Brennhaare, die teilweise über Jahre aktiv bleiben. Bei Kontakt verursachen sie durch das darin enthaltene Nesselgift "Thaumetopoein" eine allergische Reaktion.

Welche Symptome rufen die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners hervor?

Untrügliches Zeichen für die sogenannte Raupendermatitis sind Bläschen auf der Haut und
anhaltende Ausschläge, die an Insektenstichreaktionen erinnern und meist alle unbedeckten
Hautareale betreffen. Seltener treten Reizungen der Atemwegsschleimhäute oder der Augen in Erscheinung. In Einzelfällen kommt es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber und Kreislaufproblemen und zu allergischen Schockreaktionen.
Das Umweltbundesamt (UBA) lässt derzeit genauer untersuchen, welche Gesundheitsprobleme der Eichenprozessionsspinner verursacht.

Was hilft gegen diese Symptome?

Haut- und Schleimhauterscheinungen lassen sich mit Kortisolpräparaten behandeln. Antihistaminika helfen gegen den Juckreiz. Da Reizungen der Atemwege zu schmerzhaftem Husten, Bronchitis und Asthma führen können, sind häufig Kortisonsprays oder Sprays mit Bronchien erweiternden Mitteln notwendig.

In seltenen Fällen muss der Betroffene stationär mit Euphyllin- oder Kortisoninfusionen behandelt werden. Lassen Sie sich immer von einem Arzt untersuchen, jeder Mensch reagiert anders auf den Eichenprozessionsspinner.

Welche Sofortmaßnahmen sind bei einem Kontakt mit Brennhaaren ratsam?

Besteht der Verdacht auf einen Kontakt mit Raupenhaaren, sollten Sie sofort Ihre Kleider wechseln und sich einem intensiven Duschbad inklusive ausgiebiger Haarreinigung unterziehen.

Klebestreifen können dabei helfen, die Brennhaare von Ihrer Haut zu entfernen. Um Ihre kontaminierte Kleidung von den giftigen Haaren zu befreien, empfiehlt sich eine 60 Grad-Wäsche in der Waschmaschine.
Bei allergischen Reaktionen wie Hautausschlag, Schluck- und Atembeschwerden, Augenbrennen oder Störungen des Allgemeinbefindens sollten Sie sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Wie lässt sich der Kontakt zu den Brennhaaren vermeiden?

Am größten ist die Gefahr während der Raupenfraßzeit. Alte Gespinstnester stellen jedoch eine
dauerhafte Gefahrenquelle dar. Daher empfiehlt es sich, Befallsgebiete grundsätzlich zu meiden.

Ist dies nicht möglich, sollten Sie sämtliche Hautbereiche schützen und Raupen und Gespinste nicht berühren. Solange keine Entwarnung vor der akuten Gefahr gegeben wurde, sollten außerdem keine Holzernte- und Pflegemaßnahmen stattfinden.

Um die Bevölkerung zu schützen, setzen die zuständigen Stellen auf eine Ausschilderung der Befallsareale, die Absperrung betroffener Gebiete und eine aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Welche Bereiche sind am meisten vom Eichenprozessionsspinner betroffen?

Länder, Städte, Gemeinden und Kreise sind angehalten, die vom Eichenprozessionsspinner
ausgehenden Gefahren weitgehend einzudämmen. Dazu gehört vor allem der Schutz der Bürger im öffentlichen Raum. Besondere Beachtung kommt dabei folgenden Bereichen zu:

  • Kindergärten, Schulen und Kinderspielplätzen
  • Sportanlagen und Freibädern
  • öffentlichen Grünflächen und Friedhöfen
  • städtischen Parkanlagen, Naherholungsgebieten und Wäldern
  • Autobahnen, Parkplätzen und Raststätten
  • Campingplätzen

Welche Risikogruppen sind durch die Brennhaare eine besonders gefährdet?

Als besonders gefährdet gelten Waldarbeiter, Förster, Landschaftsgärtner, Bauarbeiter und andere Berufsgruppen, die in stark befallenen Regionen arbeiten. Grund hierfür ist die ansteigende Reaktionsempfindlichkeit und Symptomintensität bei häufigem Kontakt. Einem erhöhten Risiko unterliegen außerdem:

  • Anwohner betroffener Waldgebiete
  • Wanderer, Spaziergänger und Haustiere in befallenen Regionen
  • Kinder und Erwachsene in Kindergärten, Schulen und Freizeitanlagen
  • Autofahrer auf betroffenen Straßen

Wann wird eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners erforderlich?

Maßnahmen zur Bekämpfung des Falters sind immer dann notwendig, wenn die Gifthaare eine Gefahr für Menschen darstellen und die betroffenen Areale nicht längerfristig gesperrt werden können. In Waldgebieten kommt das weniger häufig vor als in Flächen der Allgemeinheit, in denen sich vermehrt Anwohner, Passanten oder Spaziergänger aufhalten.
Der Eichenprozessionsspinner gilt als Pflanzenschädling. Daher ist eine Bekämpfung mit Insektiziden auf Grundlage des Pflanzenschutzrechts möglich. Als Gesundheitsschädling unterliegt der Falter außerdem dem Biozidrecht. Die Zuständigkeit hierfür obliegt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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Wie lässt sich der Eichenprozessionsspinner bekämpfen?

Bei der Bekämpfung der Eichen-Prozessionsspinner kommen unterschiedliche Techniken zur Anwendung.

In der Regel werden große Flächen vom Hubschrauber aus mit chemischen Mitteln für den Pflanzenschutz behandelt, während die Maßnahmen bei Einzelbäumen vom Boden aus erfolgen. Durch eine Fixierung der Nester mithilfe chemischer Bindemittel und das anschließende Abnehmen lassen sich die Brennhaare ebenfalls reduzieren. Bei dieser Methode kommt der Ausführende den Brennhaaren sehr nahe. Daher gilt es, beim Abnehmen äußerst vorsichtig zu sein. Nicht empfehlenswert ist dieses Verfahren bei mehreren Nestern oder zu erwartender tagelanger Arbeit.

Als problematisch betrachtet wird das gelegentlich durchgeführte Abflammen der Nester, da die Haare hierbei durch die Thermik nach oben verteilt werden und sich weiträumig verbreiten. Zudem ist die Brandgefahr sehr hoch.

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Welche vorbeugenden Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner gibt es?

Um der Populationsentwicklung des Eichenprozessionsspinners schon vor Ausbildung der Brennhaare Einhalt zu gebieten, kommt die biologische Bekämpfung mithilfe einer Gebläsesprühkanone zum Einsatz. Einziges derzeit dafür im Forst zugelassenes Mittel zum Pflanzenschutz ist Dipel® ES, das auf der Wirkung der Endotoxine des Bacillus thuringiensis (BT) beruht.

Die von diesem Bakterium ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte verbinden sich im Darmtrakt der Eichenprozessionsspinner-Raupen mit den darin vorhandenen Enzymen zu giftigen Substanzen. Nach drei bis vier Tagen stellen die Raupen infolge der Vergiftung durch den Wirkstoff ihre Fraßtätigkeit ein. BT-Präparate gibt es als Suspensionskonzentrat und in Form von wasserdispergierbarem Granulat. Sie müssen vor der Ausbringung verdünnt oder in Wasser gelöst werden.

Warum sind Umweltverbände gegen flächendeckende Spritzeinsätze zur Bekämpfung des Eichen-Prozessionsspinners?

Umweltverbände weisen darauf hin, dass andere Tiere, beispielsweise brütende Vögel oder die Raupen anderer Schmetterlinge durch die Bekämpfung aus der Luft geschädigt werden könnten.

Den gezielten Einsatz chemischer Substanzen zieht der NABU ausschließlich als letztes Mittel in Betracht, wenn Menschen in der Umgebung öffentlicher Einrichtungen und Plätze in Siedlungsbereichen in unmittelbarer Gefahr sind. Im Forst, wo Menschen keinem direkten Risiko unterliegen, werden durch die Spritzeinsätze jedoch langfristige negative Auswirkungen auf das Ökosystem befürchtet.
BT-Präparate mit dem Wirkstoff BT wie Dipel® ES werden allerdings nach Aussage der FVA (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt) durch die UV-Strahlung inaktiviert und durch Mikroorganismen vollständig abgebaut.

Wie funktioniert das Absaugen der Brennhaare zur Bekämpfung eines akuten EPS-Befalls?

Die Firma Enviro setzt bei der akuten Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf das Absaugen. Dieses Verfahren hat sich besonders bei starkem Befall bewährt.


Es sollte jedoch ausschließlich von Fachpersonal durchgeführt werden!


Spezielle Sauggeräte nehmen hierbei auch die Brennhaare der Raupen auf. Durch die Verwendung von Filterklasse-H-Asbestsaugern wird gewährleistet, dass die Gifthaare den Sauger nicht wieder verlassen. Um eventuell heruntergefallene Raupen ebenfalls entsorgen zu können, wird der Boden vor Beginn der Arbeiten mit Folie abgedeckt. Ein großer Vorteil dieser Methode ist der Abstand zwischen dem Nest und dem Menschen.

Bildergalerie: Eichenprozessionsspinner